20 Jahre Möbelhalle: "Einmalige DRK-Einrichtung in Deutschland"
Als "einmalige DRK-Einrichtung in Deutschland" bezeichnete Michael Steindorfner, Vorsitzender der Gesellschafterversammlung der Möbelhallen-gGmbH und DRK-Kreisvorsitzender, die seit 20 Jahren bestehende DRK-Möbelhalle in Böblingen. An einem Festakt aus Anlaß des 20-jährigen Bestehens nahmen zahlreiche Gäste sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter teil.
Steindorfner sagte, das Rote Kreuz im Kreis Böblingen erfülle seit vielen Jahrzehnten eine große Reihe klassischer Aufgaben und sei deshalb aus dem Leben der Bürgerinnen und Bürger nicht mehr wegzudenken. "Wir sind ein verlässlicher Partner in nahezu allen Situationen und Wechselfällen menschlichen Lebens und leisten damit nicht zuletzt einen wichtigen Beitrag für unsere Gesellschaft." Eine Besonderheit in dieser breitgefächerten Aufgaben- und Leistungspalette nehme die seit 20 Jahren bestehende Möbelhalle ein. Im Jahr 1989 habe sich der DRK-Kreisverband Böblingen unter Leitung seines Vorgängers, Landrat a. D. Dr. Reiner Heeb, dazu entschieden, die Sozialen Dienste im DRK-Kreisverband Böblingen um einen "Sozialen Möbeldienst" anzureichern. Vom Landkreis Böblingen sei am Maurener Weg 14 in Böblingen ein Lager zur Verfügung gestellt worden, in dem zunächst sieben Langzeitarbeitslose, Sozialhilfeempfänger und Asylsuchende ihre Tätigkeit aufnahmen. "Es ging dem Roten Kreuz nicht primär um ein weiteres Angebot auf dem Möbelmarkt oder gar um eine Unternehmensgründung zur Möbelaufarbeitung oder -produktion. Das Angebot des neuen Sozialen Möbeldienstes richtete sich auch bei der Kundschaft in erster Linie und ganz prioritär an sozial schwächer gestellte Menschen", unterstrich Michael Steindorfner.
1991 sei das Angebot dann generell für alle Kaufinteressenten geöffnet worden und 1992 lautete die offizielle Bezeichnung dann schlicht und einfach nur noch Möbelhalle, ohne dabei aber die soziale Ausrichtung in der Zweckbestimmung zu vernachlässigen. Der Erfolg habe dann nach größeren, besseren Räumlichkeiten verlangt und schon ein Jahr später habe der DRK-Kreisverband eine 2 000 Quadratmeter große Halle auf dem ehemaligen amerikanischen Reparaturwerksgelände in Böblingen, dem heutigen Flugfeld, bezogen. Mit der Überwindung der räumlichen Enge habe man sich zusätzlichen Aufgaben wie vor allem der Qualifizierung von Langzeitarbeitslosen und Jugendlichen zugewandt.
"Marktlücke im sozialen Aufgabennetz"
Steindorfner skizzierte dann die weitere Entwicklung der Möbelhalle und stellte in diesem Zusammenhang fest, daß der DRK-Kreisverband Böblingen mit dieser Einrichtung offensichtlich eine "Marktlücke im sozialen Aufgabennetz" geschlossen habe. Die Möbelhalle sei in den Folgejahren nicht nur räumlich, sondern auch sozial gewachsen. "Re-Integration und Qualifizierung erreichten ein fachlich hohes Niveau."
Die Zukunfts-Planungen auf dem Flugfeld hätten dann den DRK-Kreisverband Böblingen veranlasst, sich nach einem neuen Standort für die Möbelhalle umzusehen. Er sei an der Hanns-Klemm-Straße auf der "Hulb" in Böblingen gefunden und dort der Betrieb im Juli 2000 aufgenommen worden. Steindorfner verkannte nicht, daß trotz einer hervorragenden Entwicklung im ersten Jahrzehnt der Existenz der Möbelhalle im An-schluss daran auch schwierige Zeiten zu durchstehen gewesen seien. "Die Zeit der Ungewissheit begann mit der Einführung des so genannten Hartz-Konzeptes im Jahr 2002 nicht nur für die Möbelhalle, sondern für alle Beschäftigungsgesellschaften. Mehrmals schwebte das Damokles-Schwert einer Schließung über unseren Köpfen und den Räumen der Möbelhalle. Deshalb sind wir besonders dankbar dafür, dass uns auch damals der Landkreis Böblingen nicht im Stich gelassen hat, sondern unabhängig von gesetzlichen Regelungen weiterhin bereit war, mit Zuschüssen einzuspringen. Das sicherte in letzter Konsequenz den Fortbestand dieser gerade für Langzeitarbeitslose oder für Jugendliche ohne Ausbildung so wichtigen und notwendigen Einrichtung, unterstrich der DRK-Kreisvorsitzende.
Seit 2004 würden auch Möbel aus eigener Herstellung angeboten. Zwischenzeitlich habe die Möbelhalle junge Menschen in den Bereichen Lagerlogistik oder Schreinerei ausgebildet. Im August 2006 sei ein Kombilohn-Projekt des Europäischen Sozialfonds (ESF) und im September ein ESF-Ausbildungsprojekt gestartet worden. Steindorfner bedauerte es, dass trotz unbestreitbar großer Erfolge dafür ab 2008 keine Mittel mehr zur Verfügung gestellt worden seien. Nach seiner Meinung mache eine Förderung aus dem Europäischen Sozialfonds nur Sinn, wenn zugleich auch die Nachhaltigkeit derartiger Maßnahmen gewährleistet sei.
"Schwächeren zur Seite stehen"
Im weiteren Verlauf seiner Rede sagte Steindorfner, nicht minder erfolgreich habe sich das Ausbildungspro-gramm der DRK-Möbelhalle für Jugendliche und junge Menschen entwickelt, die zum Beispiel lernbehindert seien oder Sprachprobleme hätten. Seit Jahren schon biete man diesen Menschen eine drei-jährige Ausbildung zum Holzmechaniker und eine zweijährige zum Holzwerker. Hinzukommen würden mittlerweile IHK-Ausbildungsgänge zur Fachkraft für Lagerlogistik sowie zum Fachlageristen. "Das alles soll, das alles darf nicht durch Kürzung oder Streichen von Fördergeldern aufs Spiel gesetzt werden. Schon gar nicht jetzt, wo durch die Finanz- und Wirtschaftskrise wieder mehr Arbeitsplätze in Gefahr geraten. Wir vom Roten Kreuz werden alles dafür tun, dass es eine soziale Einrichtung wie die Möbelhalle auch weiterhin gibt. Wir werden uns stark machen dafür, dass wir weiterhin den Schwächeren in unserer Gesellschaft in schwierigen Zeiten zur Seite stehen können. Und ich danke allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern dieser segensreichen Einrichtung, dem Leitungsteam mit Joachim Twardon, Thomas Säuberlich und Aline Rombon sowie den beiden Geschäftsführern der Möbelhallen-gGmbH, Wolfgang Breidbach und Hartmut Wollwinder, dass sie sich mit unglaublich großem Engagement, aber auch herausragendem fachlichen Können und
- nicht zuletzt - mit einer Begeisterung für soziale Aufgaben in das Projekt Möbelhalle einbringen", betonte Michael Steindorfner.
Alfred Schmid, Sozialdezernent des Landkreises Böblingen, bezeichnete in einem Grußwort die erfolgreiche Entwicklung der DRK-Möbelhalle als "einmaligen Weg". Er bescheinigte dem Roten Kreuz zugleich, wirkungsvolle Arbeit als Beschäftigungsträger zu leisten. Gerade in Zeiten der Globalisierung sei eine gute Qualifizierung notwendig.
"Großartiges geleistet"
Clemens Woerner, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Jobcenter Landkreis Böblingen, lobte das Rote Kreuz im Kreis Böblingen für dessen entschlossenes und engagiertes Handeln: "Mit der Möbelhalle wird Großartiges geleistet !"
Wolfgang Breidbach und Hartmut Wollwinder, die beiden Geschäftsführer der Möbelhallen-gGmbH, ließen danach in einer eindrucksvollen und informativen Dia-Schau die 20 Jahre Möbelhalle nochmals Revue passieren. Horst Väth, Verkaufsleiter der Möbelhalle, warf einen Blick in die Zukunft und meinte, Einrichtungen wie die DRK-Möbelhalle würden künftig noch dringender gebraucht werden. Auch er würdigte ausdrücklich die Qualifizierungs- und Ausbildungsarbeit: "Damit werden Menschen Perspektiven eröffnet".
Der Festakt in der Möbelhalle wurde von Walter Väth musikalisch umrahmt. Unter den Ehrengästen weilten auch DRK-Landesgeschäftsführer Hans Heinz, MdL, der Ehrenvorsitzende des DRK-Kreisverbandes Böblingen, Dr. Reiner Heeb, die DRK-Kreisvorstandsmitglieder Renate Kottke, Hans-Walter Hiltmann, Birgit Bux, Wolfgang Frank und Manuel Riehm, die früheren Möbelhallen-Betriebsleiter Lothar Kogel, Erwin Trummel und Hartmut Eichel, Werkleiter Wolfgang Bagin vom Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises Böblingen, hochrangige Vertreter der US-Army sowie des American Red Cross.





